
Der FC Dingolfing versteht sich nicht nur als sportlich ambitionierter Fußballverein, sondern als wichtiger Bestandteil der Stadtgesellschaft. Rund 500 Jugendliche aus über 50 Nationen, Engagement im Breitensport und ein außergewöhnlich starkes Ehrenamt prägen den Alltag. Dabei geht es längst nicht nur um Ergebnisse – sondern um Gemeinschaft, Integration und nachhaltige Vereinsarbeit.
Herr Strohmaier, letztes Mal hatten Sie angesprochen, dass der FCD viele Dingolfinger Kinder in Richtung Leistungsbereich entwickeln will. Wie sieht die Philosophie im Kinderfußball aus?
Wir verfolgen ganz bewusst den Ansatz: von der Breite in die Spitze. Im Kinderfußball geht es darum, möglichst viele Kinder für den Vereins- und Teamsport zu begeistern. Der Spaß steht im Vordergrund – genauso wie die sportliche und soziale Entwicklung. Respekt, Kameradschaft und Ambition haben wir uns als unsere FCD-Werte auf die Fahnen geschrieben. Das sind nicht nur sportliche Tugenden, sondern auch demokratische Grundwerte, die meines Erachtens in einer vielfältigen Stadt wie Dingolfing enorm wichtig sind.
Der FC Dingolfing bietet zusätzlich viele Breitensportteams an. Warum tut man sich diesen Aufwand an?
Weil wir unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden wollen. Wir haben im Stadtgebiet viele Kinder – und wir wollten sie nicht wegschicken, nur weil sie nicht sofort den Weg in eine Leistungsmannschaft gehen. Vereinsfußball ist extrem wichtig, auch fürs spätere Leben. Er vermittelt Gemeinschaft und Verlässlichkeit. Deshalb sollen bei uns auch diejenigen eine Heimat finden, die einfach gerne Fußball spielen möchten. Und wir verfolgen dabei bewusst eine klare Linie: Breitensport soll vor allem für Dingolfinger Kinder und Jugendliche da sein. Wechsel von außerhalb sind nur absolute Ausnahmen, etwa wenn eine enge Verbindung zum Verein besteht. Denn wir wollen nicht, dass Kinder quer durch den Landkreis gefahren werden, um in der gleichen Liga zu spielen. Fußball im Breitensport soll vor der Haustür stattfinden – und die Vereine im Umkreis leisten ebenfalls hervorragende Arbeit.
Was ist der langfristige Gedanke hinter dieser lokalen Ausrichtung?
Das ist eine nachhaltige Idee: Wenn Kinder hier in Dingolfing aufwachsen, im Verein groß werden und echte Gemeinschaft erleben, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie später auch dem Verein und somit unserer Gesellschaft als Ehrenamtliche erhalten bleiben. Wir sehen das bereits: Beim Schiedsrichterkurs haben einige junge Spieler mitgemacht und engagieren sich jetzt zusätzlich. Das ist genau der Weg, den wir uns wünschen – dass aus Kindern langfristig Vereinsmenschen werden.
Der FC Dingolfing ist zuletzt auch eine Spielgemeinschaft mit Türk Gücü eingegangen. Was waren die Hintergründe?
Wir hatten schon einmal eine dritte Mannschaft. Sportlich war das erfolgreich, organisatorisch aber extrem schwer dauerhaft zu stemmen. Am Ende wäre es wieder auf den Schultern unserer ohnehin sehr engagierten Ehrenamtlichen gelandet. Gleichzeitig wurde immer wieder der Wunsch an uns herangetragen, auch im Seniorenbereich wieder ein Angebot zu schaffen. Denn viele Jungs haben aufgehört, als diese Perspektive gefehlt hat. Türk Gücü war dann der beste Partner. Dort spielen bereits einige ehemalige FCD-Jugendspieler, die Funktionäre sind engagiert, der Austausch läuft sehr gut. So haben wir eine Plattform geschaffen, die Perspektiven bietet – mit einem zuverlässigen Partner, der mit uns gemeinsam wachsen will. Und man merkt schon, dass die Vereine zusammenrücken: Ein Vorstandsmitglied von Türk Gücü ist inzwischen sogar Jugendtrainer bei uns.
Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen für einen Verein dieser Größe?
Einen Verein in der Größenordnung eines kleinen Mittelstandsunternehmen rein ehrenamtlich zu führen, ist allein schon eine Herausforderung. Darüber hinaus wollen und müssen wir in unserer Event-Gesellschaft attraktiv bleiben. Das bedeutet auch Investitionen in unsere Infrastruktur, die uns jedoch immer wieder auch an unsere Grenzen bringen. So sind wir als „Vereins-Familie“ schon stolz, dass wir in einer Kraftaktion dank Unterstützung vieler den Kunstrasen für unser alljährliches Hallenspektakel kaufen konnten. Außerdem mussten wir gerade einen neuen Kleinbus anschaffen weil der alte in die Jahre gekommen ist. Uns ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche zuverlässig zu ihren jeweiligen Spielen kommen.
Und natürlich ist das Stadion ein großes Thema. Die Anforderungen steigen: Sicherheitsauflagen, Vorgaben der Verbände, Zuschaueransprüche. Die Menschen erwarten neben gutem Fußball auch ein angenehmes Ambiente – sonst fahren sie in andere Ortschaften. Das ist eine Herausforderung, die wir gemeinsam mit der Stadt Dingolfing meistern wollen. Mit über 500 Jugendlichen stoßen wir auch kapazitativ an unsere Grenzen. Training und Spielbetrieb langfristig zu ermöglichen, ist eine zentrale Aufgabe, die uns sehr fordert.
Ein weiteres großes Thema ist das Ehrenamt.
Das Ehrenamt ist unser Rückgrat. Gleichzeitig kommen mit zunehmender Professionalisierung immer neue Aufgaben hinzu. Gerade weil wir keine Kinder ausschließen wollen, übernehmen Ehrenamtliche oft Aufgaben weit über den Sport hinaus: Unterstützung bei Behördengängen, Hilfe bei der Ausbildungsplatzsuche oder Betreuung in schwierigen Lebenssituationen. Das zeigt, wie vielschichtig Vereinsarbeit heute ist – und welchen gesellschaftlichen Wert Ehrenamt hat. Wir müssen darauf achten, dass diese Verantwortung nicht auf wenige Schultern fällt, sondern neue Ehrenamtliche gewonnen werden. Deshalb laden wir ausdrücklich ein: Jeder kann mitmachen, jeder ist willkommen. Vor allem den Frauenanteil möchten wir im Verein erhöhen, zugleich danke ich allen, die sich aktuell schon intensiv einbringen.
Was hält einen großen Stadtverein wie den FC Dingolfing zusammen?
Es gilt Treffpunkte innerhalb des Vereins zu schaffen. Unser Vereinsheim- und Event-Team stellt eine Plattform, wo Mitglieder zusammenkommen – nicht nur Kinder, sondern auch Eltern, Ehrenamtliche und Spieler. Und ja: Solche Veranstaltungen sind auch wichtig, um den Nachwuchs-Spielbetrieb finanzierbar zu halten. Aber vor allem schaffen sie Gemeinschaft – und genau das ist unsere Vision „Familie durch Fußball“. Die familiäre Atmosphäre ist das, was den FC Dingolfing auszeichnet. Sie sorgt dafür, dass sich Kinder, Eltern und Ehrenamtliche gleichermaßen zugehörig fühlen.
Welche Perspektive hat der FC Dingolfing für die kommenden Jahre?
Wir wollen den Verein sportlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich weiterentwickeln – aber immer bodenständig und nachhaltig. Unser Ziel ist, dass alle an einem Strang ziehen und wir den eingeschlagenen Weg beibehalten: Fußball als Sport, aber auch als sozialer Treffpunkt und als Ort, an dem junge Menschen Heimat finden.