
Es war ein Fußballabend, der in die Vereinsgeschichte eingeht. In der 119. Minute, als sich alle bereits auf ein Elfmeterschießen eingestellt hatten, fasste sich Matze Schratzenstaller ein Herz, marschierte durch die erschöpften Reihen des SV Sallach – und schoss den FC Dingolfing II in die Bezirksliga. Während die Blau‑Weißen in einen Jubelsturm ausbrachen, blieben auf der anderen Seite enttäuschte Gesichter zurück. Der SV Sallach muss nach nur einem Jahr wieder in die Kreisliga.
Trainer Markus Heiß fasst die Partie zusammen: „Ich bin unglaublich stolz auf meine Jungs. Sie haben heute einen tollen Fight geliefert und sie haben sich auch von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen. Neben der roten Karte mussten wir auch beide Innenverteidiger auswechseln. Spielerisch haben wir uns nicht von unserer besten Seiten präsentiert. Wir haben zu selten den flachen Pass durch die Mitte gewählt. Aber die Relegation hat ihre eigenen Gesetze, was sich auch heute wieder bestätigt hat. Defensiv haben wir gut dagegengehalten, hatten aber auch in der ein oder anderen Situation Glück – und einen überragenden Luca Müller. Offensiv hat uns der Sololauf von Matze in die Bezirksliga gebracht. Jetzt wird gefeiert.“
Eine erste Halbzeit voller Nervosität – Müller hält Dingolfing im Spiel
Die 1113 Zuschauer sahen zunächst eine ausgeglichene Partie, in der sich beide Teams weitgehend neutralisierten. Der FC Dingolfing II verzichtete bewusst auf Verstärkung aus dem Landesliga‑Team. Stattdessen berief Heiß drei A-Jugendliche ins Aufgebot: Phil Fruhstorfer startete rechts in der Viererkette, Adrian Reif und Delin Dervishaj kamen im Laufe der Partie zum Einsatz.
Die Bedingungen waren perfekt: Top‑Wetter, ein hervorragendes Geläuf, und Gastgeber Bayerbach sorgte für ein echtes Fußballfest. Doch auf dem Platz fehlten zunächst die großen Highlights.
Manuel Schneil hatte die erste Dingolfinger Chance, auf der Gegenseite köpfte Herreiner aufs Tordach. Schon früh wurde klar: Luca Müller würde an diesem Abend der wichtigste Dingolfinger sein. Der Schlussmann pflückte hohe Bälle sicher herunter, war bei langen Zuspielen hellwach und parierte jeden Abschluss souverän.
Dingolfing verlor im Laufe der ersten Halbzeit seine spielerische Linie und schlug zu viele lange Bälle. Immer wieder war bei Sallachs Abwehrchef Florinel Strungariu Endstation, der den Luftraum absolut dominierte.
Zweite Halbzeit: Sallach mit Chancenplus – Dingolfing mit Glück und Müller
Nach der Pause kamen beide Teams mit mehr Schwung aus der Kabine. Schratzenstaller setzte ein erstes Ausrufezeichen, doch Sallach klärte aufmerksam.
Die besseren Chancen hatte jedoch der Bezirksliga‑Relegant. Gleich zweimal tauchte die Biersack‑Elf frei vor Müller auf. Einmal rettete der Pfosten, als Johannes Lex nach einem Dingolfinger Missgeschick völlig frei durch war, den Ball aber an den Innenpfosten setzte. Kurz darauf parierte Müller erneut überragend.
Im Gegenzug bediente Schneil per Absatzkick Weber, der in den Strafraum marschierte und einen Verteidiger anschoss – Dingolfing forderte Handspiel, doch Schiedsrichter Putz ließ weiterspielen.
Sallach blieb gefährlich: Strungariu köpfte nach einer Ecke ans Außennetz. Dann setzte Weber Schneil mit einem Traumpass in Szene, doch Strungariu rettete spektakulär auf der Linie.
In der Nachspielzeit musste der FCD nochmals zittern: Nach einer einstudierten Eckenvariante klatschte der Ball erneut an den Pfosten. Sallach hatte ein deutliches Chancenplus – doch Müller war nicht zu überwinden.
Verlängerung: Rote Karte, Zittern, vergebene Großchancen
Die Verlängerung begann mit einem Schock: Tobias Kurz sah nach einer unglücklichen Aktion die Rote Karte – eine äußerst harte Entscheidung. Sallach nutzte die Überzahl und drückte. Viele Unterbrechungen zerstörten den Spielfluss, doch die Spannung blieb greifbar.
Im zweiten Teil der Verlängerung wurde Lex herrlich freigespielt, scheiterte aber aus sieben Metern erneut an Müller. Auf der Gegenseite vergab Dingolfing eine große Konterchance, als Weber den Ball nicht am Gegenspieler vorbei auf den völlig freien Timo Berghammer brachte.
Die 119. Minute – Schratzenstallers Lauf in die Geschichte
Dann kam der Moment, der alles veränderte. A‑Junior Delin Dervishaj dribbelte durch das Mittelfeld und spielte den Ball auf die andere Seite, Schratzenstaller startete einen Sololauf, mobilisierte seine letzten Kräfte, setzte sich gegen mehrere Verteidiger durch und schob den Ball an Keeper Räuschl vorbei ins Netz. Wenige Sekunden später war Schluss – und der FC Dingolfing II stand als Bezirksliga‑Aufsteiger fest.
Jubel, Erleichterung und ein Abend für die Geschichtsbücher
Es war ein glücklicher Sieg, der den FC Dingolfing II in die Bezirksliga bringt. Mann des Spiels war zweifellos Luca Müller, der nach seiner schweren Knieverletzung zurück zu alter Stärke fand. Nach dem spontanen Jubel auf dem Feld und ersten Feierlichkeiten in Bayerbach ging es für die Mannschaft ins Vereinsheim, wo das Vereinsheim-Team mit einer Stärkung und die FCD-Fans mit kräftigem Applaus die Aufstiegshelden bereits erwarteten. Damit krönt der FCD vorerst seine beeindrucke Entwicklung unter Sportchef Manuel Wimmer, der vor gut zehn Jahren mit der Ersten Mannschaft in der Kreisliga und der Zweiten in der A-Klasse die Geschicke bei den Blau-Weißen übernahm.