Generalversammlung des FC Dingolfing 2014

„Jetzt geht es um das Überleben des Vereins“

Das Finanzamt Deggendorf fordert  300 000 Euro
vom FC Dingolfing zurück

 

Generalversammlung 2014
Die neu gewählte Vorstandschaft steht vor einer ungewissen Zukunft

 

300 000 Euro fordert das Finanzamt Deggendorf vom FC Dingolfing. Laut Finanzamt falsch deklarierte Aufwandsspenden bedrohen den Traditionsverein, wie Vorstand Klaus Kramlofsky am vergangenen Sonntagabend bei der Mitgliederversammlung erklärte. Diese Summe ergibt sich aus Feststellungen für insgesamt fünf Jahre. Doch der FCD will kämpfen und weiter bestehen. Deswegen kandidierte Kramlofsky noch einmal für eine Amtsperiode mit dem Ziel, dass die Forderungen vom Finanzamt als nichtig erklärt werden. Er sparte auch nicht mit Kritik am Finanzamt und sieht die Ehrenamtskultur in Gefahr.
Wie heikel das „Spendenthema“ beim FC Dingolfing eigentlich ist, sah man am vergangenen Sonntagabend bei der Jahreshauptversammlung. Das Vereinsheim war komplett besetzt und mehr als die Hälfte des Stadtrates signalisierte mit seiner Anwesenheit die Verbundenheit zum FCD. Dies freute auch Präsident Klaus Kramlofsky, der am Sonntag – zusammen mit Horst Bergander – so offen wie noch nie über die Probleme des FCD mit dem Finanzamt Deggendorf referierte.
Seit Ende der 90er Jahre können Vereine selbst Spendenbescheinigungen ausstellen. Zum Beispiel bekommen Eltern oder Übungsleiter Reisekostenerstattungen, die sie dem Verein als Geldzuwendungen zurück spenden können. Nach einer Außenprüfung des Finanzamtes Deggendorf wurden alle Vorgänge im Verein für in Ordnung befunden, „außer halt die Spenden“, so Bergander. Das Finanzamt sieht die Spenden als Aufwandsspenden und nimmt daher dem FC Dingolfing mit 300 000 Euro in Haftung.
Momentan hätte der Verein durch einen Vollstreckungsaufschub noch Zeit bis Ende des Jahres, „aber das Finanzamt bewegt sich nicht auf uns zu und will gar keinen Kompromiss. Dabei haben wir alles richtig dargestellt“, so Kramlofsky. Die Folgen, wenn der Verein die Summe bezahlen müsste, wären verheerend: „Es geht jetzt um das Überleben des Vereins. Wir könnten diese Summe niemals bezahlen“, so der Vorsitzende. Enttäuschend sei vor allem das Vorgehen des Finanzamtes Deggendorf, „weil so geht man nicht mit einem Verein und auch nicht mit dem Ehrenamt um“, so der Vorsitzende weiter. Vor allem verbal hätte das Finanzamt des Öfteren über das Ziel hinausgeschossen. „Wenn mir entgegnet wird, dass ich ja die 300 000 Euro aus meiner Privatschatulle zahlen könnte, dann hört sich der Spaß wirklich auf“, so Kramlofsky weiter. Aufgrund der riesigen Dimensionen des Falles hätte sich der Verein auch einen Rechtsanwalt geholt, „weil wir hier bis zuletzt kämpfen werden“. Er lasse den Verein nicht im Stich, so Kramlofsky unter dem Beifall der Mitglieder. Er sehe große Gefahr, dass das Ehrenamt darunter leiden wird, wenn Finanzämter in Zukunft weiter so vorgehen werden. „Wir haben nichts Unrechtes gemacht, aber die Angst wird in allen Vereinen steigen. Die Nachricht über die Forderung an unseren Verein hat sich ja verbreitet wie ein Lauffeuer“, so Kramlofsky abschließend.
Gesellschaftlich habe der FCD, laut Klaus Kramlofsky, ein gutes Jahr erlebt. Ob Nikolausmarkt, Christbaumversteigerung oder Altstadtfest: Der Verein konnte sich nicht nur auf die Gönner, sondern auch auf viele Helfer verlassen. Viel vor hätte der FCD auch in der Jugendabteilung. Nach der Abmeldung der U19 aus dem Spielbetrieb, („für uns ein Desaster“), sei die Jugendabteilung neu aufgestellt worden. In Zukunft soll mit einem motivierten Kompetenzteam der Jugendbereich wieder auf eine höhere Stufe gestellt werden: „Dafür haben wir sehr gute Leute gewinnen können und dadurch bin ich auch wieder zuversichtlicher“, so Kramlofsky abschließend.
Sportlich lief es beim FC Dingolfing in den vergangenen Jahren nicht gerade rund. Mit viel Pech musste man in der vergangenen Saison den bitteren Weg von der Bezirksliga in die Kreisliga antreten. Der designierte Sportliche Leiter Konrad Johann stellte klar, dass die Saison kein Selbstläufer wird. Trotzdem sei er zuversichtlich, dass es wieder aufwärts gehe. „Der Wiederaufstieg bleibt natürlich unser Ziel“, so Johann abschließend.
Im Finanzbericht durch Schatzmeister Matthias Bergander wurde schnell ersichtlich, dass der FC Dingolfing den Weg der Konsolidierung strikt vorantreibt. So wurden auch im vergangenen Jahr die Verbindlichkeiten weiter abgebaut und Bergander fügte hinzu: „Dies soll auch weiterhin das Ziel des FC Dingolfing bleiben.“ Der Kassenprüfer Franz Mühlbauer stellte klar, dass der FC Dingolfing auch in Zukunft den Fokus auf die Finanzen legen muss. Die Kassenführung lobte er ausdrücklich und dankte allen ehrenamtlichen Helfern für die geleistete Arbeit im abgelaufenen Jahr.
Anschließend wurde Fred Totzki, der knapp 30 Jahre in der Jugendabteilung des FCD tätig ist, von Klaus Kramlofsky geehrt. Er erhielt die Vereinsnadel des BLSV in Gold mit Urkunde und bekam lobende Worte mit auf dem Weg. „Fred ist der Architekt der hervorragenden Jugendarbeit in unserem Verein. Er hat einen großen Anteil, dass bei uns die Qualität in der Ausbildung der Jugendspieler stets hochgehalten worden ist“.
Vor den Neuwahlen wurde noch eine kleine Satzungsänderung vorgenommen. Ab sofort gibt es kein Präsidium mehr beim FC Dingolfing, sondern eine Vorstandschaft. Dies honorierten die Mitglieder mit viel Applaus und einstimmiger Mehrheit. Auch die Entlastung der Vorstandschaft erfolgte einstimmig, bevor es zu den Neuwahlen kam. Diese nahm Zweiter Bürgermeister Franz Bubenhofer vor.
Erster Vorstand bleibt Klaus Kramlofsky. Ihm zur Seite stehen Horst Bergander als Zweiter Vorstand sowie Konrad Johann als Sportlicher Leiter. Schriftführerin bleibt Kerstin Bruckmoser und als Organisationsleiter fungiert weiterhin Thomas Auer. Als Kassenprüfer wurden Franz Mühlbauer und Dominik Kallmeier im Amt bestätigt. Verwaist sind noch die Positionen des Schatzmeisters und des Jugendleiters, die schnell besetzt werden sollen.
In seinem Grußwort ging Zweiter Bürgermeister Franz Bubenhofer mit dem Deggendorfer Finanzamt hart ins Gericht. Es sei traurig, dass hier die Jugendarbeit und auch das Vereinsleben durch das Vorgehen des Finanzamtes auf das Spiel gesetzt wird. Deswegen wünschte sich der Zweite Bürgermeister nur eines: „Ich hoffe, dass die Sache gut ausgeht, weil wir den FC Dingolfing brauchen. Er leistet hervorragende Arbeit in der Stadt und ist nicht umsonst ein geschätzter Traditionsverein.“                                                                            Quelle: DA -Andy Forster

 

Neues Bild (11)
Fred Totzki erhielt die Goldene Vereinsnadel des BLSV

Generalversammlung 2014 -2
Generalversammlung  2014- 1

Das Vereinsheim war bis auf den letzten Platz besetzt