„Das Wichtigste ist, dass man authentisch ist“ – Manuel Baum im Interview bei FuPa

Augsburgs Trainer Manuel Baum zählt wie Julian Nagelsmann zu den Shootingstars der Trainerszene 

Unser ehemalige Jugendspieler Manuel Baum gab dem Onlineportal FuPa und dem Starnberger Merkur ein ausführliches und überaus interessantes Interview. Dabei berichtet er nicht nur über seine Arbeit als Bundesligatrainer, sondern erzählt auch über seine Anfänge als Trainer im Amateurfußball. Nachfolgend einige Ausschnitte. Das ganze Interview gibt’s unter https://www.fupa.net/berichte/ft-starnberg-09-wie-viel-starnberg-steckt-noch-in-manuel-bau-1076392.

(…)

Auf der Bundesliga-Bühne stehen Sie deutlich mehr im Fokus. Jede Aussage wird seziert. Wie groß war die Umstellung?

Da habe ich mich als Lehrer relativ leicht getan – und ich bin im Fußball schon lange dabei, da bekommt man Routine. Aber als ich das erste Mal im Rampenlicht stand, habe ich mir schon Gedanken gemacht: Was zieht man an, wie will man gesehen werden? Das wird auch in der Fußballlehrer-Ausbildung geschult. Danach weiß man, worauf die Medien schauen und dass man über alles nachdenken muss, auch über Kleidung und Körpersprache.

Welchen Weg wollen Sie dabei verfolgen?

Das Wichtigste ist, dass man authentisch ist. Wenn jemand etwas spielt, merkt das jeder. Ich bin so, wie ich mich gebe.

(…)

Zählen Sie sich selbst zu den so genannten Laptop-Trainern?

Mittlerweile gehören wir doch alle zur Laptop-Generation. Generell gibt es sehr viel mehr Theorie als früher. Man hat mehr Möglichkeiten, auf Daten zurückzugreifen. Aber man darf die Personalführung nicht aus den Augen verlieren. Sonst bringt die beste Theorie nichts.

Sind Sie nun ein Laptop- Trainer?

Ich persönlich finde den Begriff negativ behaftet. Man hat das Gefühl, da gäbe es außer Taktiktafel, Reißbrett und Videoschnittprogramm nichts. Aber das Know-How ist entscheidend – und da kann Technik helfen. Man muss auch mit der Zeit gehen.

Gab es mal Vorbehalte, weil Sie selbst nie in der Bundesliga gespielt haben?

Gar nicht. Man muss eine gewisse natürliche Autorität haben. Der Gegenüber muss das Gefühl haben: Da ist jemand mit Kompetenz. Ich bin mit Herzblut dabei – da ist es egal, wo man mal gespielt hat.

Wie ist der Umgang mit den anderen Bundesliga- Trainern?

Sehr kollegial. Im Spiel fetzt man sich manchmal, da vertritt ja jeder Trainer seinen Verein. Man kann von den Kollegen viel lernen, gerade was die unterschiedlichen Ansätze angeht. Man darf nur nie den Fehler machen und denken, man wäre der Wichtigste. Als Trainer bist du ein kleiner Mosaikstein im Verein.

Gibt es einen Trainer,der Sie besonders beeindruckt?

Jupp Heynckes ist so einer. Der beeindruckt durch seine Seniorität und mit dem Selbstverständnis, mit dem er seine Mannschaft führt. Aber man kann von jedem Trainer etwas lernen.

Als Trainer wurden Sie schon Deutscher Meister – mit dem Team der Walter-Klingenbeck-Realschule. Werden Sie auch mal in der Bundesliga Deutscher Meister?

(lacht) Von solchen Themen versuche ich mich zu lösen. Ich denke nicht darüber nach, was mal sein kann. Ich lebe im Moment und versuche, so gut zu arbeiten, wie es geht. Im Fußball bringt es nichts, langfristig zu planen.

Bei einem Angebot des FC Bayern eines Tages würden Sie aber sicher nicht nein sagen?

Da denke ich überhaupt nicht dran. Ich fühle mich in Augsburg sehr glücklich und weiß das zu schätzen.Ich kann mir das hier sehr gut langfristig vorstellen. Ich weiß nicht, ob es so gut wäre, in der ganzen Welt herumzureisen.

(…) 

Können Sie sich die alte Kombination aus Lehrer und Trainer im Amateurfußball noch mal vorstellen?

Warum nicht? Es hat mir als Lehrer sehr gut gefallen, die Arbeit hat mir auch später geholfen. Ende des Schuljahres muss ich entscheiden, ob ich meinen Beamtenstatus aufgebe – seit drei Jahren ruht er. Ich hoffe immer noch auf das Kultusministerium. Mit dem Beruf als Erstliga-Trainer lässt sich schwer planen. Zuletzt hat es Markus Gisdol beim HSV erwischt. Es gibt jedes Jahr genügend Beispiele, wie gering die Halbwertszeit eines Trainers ist. Eine Verbeamtung gibt einem Sicherheit. Die Familie über die Runden zu bringen, ist mir das Wichtigste.

Hätten Sie gedacht, mal in der Bundesliga zu trainieren?

Nie. Für mich war die Regionalliga schon hoch, ganz weit weg.

Wie unterscheiden sich die Spieler aus dem Amateurbereich mit den Profis?

Klar sind die Spieler aus der Bundesliga um einiges besser. Aber vom Menschlichen gibt es nicht viele Unterschiede. Wenn ein Spieler in der Bezirksliga auf der Bank sitzt, ist er genauso wenig erfreut wie ein Spieler in der Bundesliga.

(…)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.