Wir trauern um Herrn Karl Dompert

Karl Dompert 2

Karl Dompert †

Karl Dompert ist tot. Der ehemalige Werkleiter starb in der Nacht zum Mittwoch im Alter von 90 Jahren. Ihm, der weit in die Zukunft voraus dachte, haben Dingolfing und die gesamte Region nicht mehr und nicht weniger als ihren heutigen Wohlstand zu verdanken. Denn Dompert war es, der vor 43 Jahren den BMW Konzernvorstand davon überzeugte, das neue Produktionswerk in Dingolfing zu bauen. Dabei war in der Münchner Führungsspitze die Entscheidung für Landshut schon gefallen. Dort hatte die BMW AG bereits 400 000 Quadratmeter Grund erworben. „Die Entscheidung ist völliger Quatsch“, hielt Dompert, der seit 1968 Leiter des Dingolfinger BMW Werkes war, den Münchner Vorständen und Großaktionären entgegen, „das Gelände in Landshut ist zu klein. Eine Autofabrik muss heute größer sein“. Dompert skizzierte seinen Münchner Gesprächspartnern den Grundriss einer neuen Fabrik auf damaligem Dingolfinger Ackerland. Gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Heinz Heininger kämpfte Dompert wie ein Löwe und konnte das Blatt wenden. Der damalige, noch junge Vorstandsvorsitzende Eberhard von Kuenheim entschied zugunsten Dingolfings. Am 9. November 1970 legte Ministerpräsident Alfons Goppel im Isarmoos an der B 11 den Grundstein für das Werk 2.4. 1973 lief hier das erste Fahrzeug vom Band. Karl Dompert wurde am 16. Januar 1923 in Heidenheim an der Brenz geboren. Nach  Maschinenbaustudium in Konstanz und Krieg fing er bei der Maschinenfabrik Voith in Heidenheim an. Von dort holte ihn Andreas Glas, der Dompert im Krieg bei der Fliegerstaffel kennengelernt hatte, 1947 nach Dingolfing. Dort professionalisierte Dompert die Produktion des Sämaschinenherstellers Hans Glas. Doch auf Dauer war mit den landwirtschaftlichen Geräten kein Staat zu machen. Eine Ausstellung in Verona mit Lambretta- und Vespa-Motorrollern brachte den entscheidenden Anstoß: Karl Dompert konstruierte den „Volksmotorroller Goggo“, von dem Anfang der 50er Jahre bis zu 120 Stück täglich die Fabrikhallen verließen. Dompert entwickelte es als Chefkonstrukteur der Glas-Werke Mitte der 50er Jahre weiter zum „Goggomobil“. Binnen kurzer Zeit wurde es zum weltweit erfolgreichsten Fahrzeug seiner Art mit einer Gesamtproduktion von am Ende über 280 000 Exemplaren. BMW übernahm zum 2. Januar 1967 die Hans Glas GmbH als Tochtergesellschaft – Karl Dompert wurde einer der ersten BMW Werkleiter in Dingolfing. Er sollte es 16 Jahre lang bleiben. In diesen rund eineinhalb Jahrzehnten entwickelte sich das Areal nördlich der ehemaligen Bundesstraße 11 zum riesigen Industriegebiet, das gerade wieder erheblich vergrößert wird. Millionen von BMW-Fahrzeugen sind seither von den Dingolfinger Bändern gelaufen – allein der sechsmillionste Fünfer hat erst vor einigen Wochen das Werk verlassen. All das sichtbarer Ausdruck für viele Milliarden Euro an Investitionen in das weltweit größte Produktionswerk der BMW Group – mit deutlichen und nachhaltigen positiven Auswirkungen auf Stadt und Region. Den Grundstein dafür hatte Karl Dompert gelegt. Durch sein vorausschauendes Denken und seine überzeugenden Argumente für einen BMW Standort Dingolfing. Seine Verdienste für Stadt und Region wurden vielfach gewürdigt. So beispielsweise mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, mit dem Bayerischen Verdienstorden und – nicht zuletzt – mit der Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt Dingolfing.

Bericht DA ww.